das Leben dazwischen
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich inzwischen mehr Zeit mit Warten verbringe als mit Planen, Reisen oder Leben. Seit langer Zeit warte ich auf meinen Van – und mit jedem neuen Gespräch scheint sich das Ziel erneut ein Stück weiter nach hinten zu verschieben.
Immer wieder bekomme ich neue Informationen, neue Erklärungen und neue Versprechungen. Kaum habe ich mich auf eine Aussage eingestellt, folgt die nächste. Was gestern noch sicher schien, gilt heute plötzlich nicht mehr. Besonders frustrierend ist dabei, dass die Kommunikation oft wenig Verständnis für meine Situation erkennen lässt. Statt auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, wirkt das Auftreten der Firmenvertreter auf mich häufig arrogant und wenig empathisch. Dabei geht es für mich nicht einfach um ein Fahrzeug, sondern um einen Lebensabschnitt, auf den ich seit langer Zeit hinarbeite.
Während andere vielleicht denken, dass man in der Wartezeit einfach sein normales Leben weiterführt, sieht die Realität oft anders aus. Weil ich nicht weiß, wann es endlich losgehen kann, befinde ich mich seit Monaten in einer Art Schwebezustand. Immer wieder musste ich nach neuen Unterkünften suchen und mein Leben provisorisch organisieren. Inzwischen lebe ich in einer WG – eine Wohnform, die für viele Menschen wunderbar funktioniert, die mir persönlich aber überhaupt nicht liegt. Es ist nicht das Zuhause, das ich mir für diese Phase meines Lebens vorgestellt hatte.
Natürlich habe ich versucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Eine der schönsten Erfahrungen dieser Wartezeit war sicherlich meine Yoga Teacher Training. Dafür bin ich sehr dankbar. Sie hat mir geholfen, Geduld zu üben, im Moment zu bleiben und auch schwierige Situationen mit mehr Gelassenheit zu betrachten. Ironischerweise wird diese Gelassenheit durch die anhaltenden Verzögerungen jedoch immer wieder auf eine harte Probe gestellt.
An den wenigen Tagen, an denen die Sonne scheint und das Wetter besonders schön ist, fällt das Warten etwas leichter. Dann kann ich hinausgehen, die Natur genießen und mir vorstellen, wie es sein wird, endlich mit meinem Van unterwegs zu sein. Für einen Moment fühlt sich der Traum dann wieder greifbar an.
Doch ehrlich gesagt werde ich langsam müde. Müde vom Warten. Müde von immer neuen Geschichten und Erklärungen. Müde davon, mein Leben ständig um Termine und Zusagen herum zu organisieren, die am Ende doch nicht eingehalten werden.
Manchmal frage ich mich inzwischen sogar, ob ich überhaupt noch reisen möchte, wenn der Van eines Tages endlich vor mir steht. Nicht weil der Traum verschwunden wäre, sondern weil die lange Zeit des Wartens einen Teil der ursprünglichen Freude und Leichtigkeit aufgezehrt hat.
Trotzdem hoffe ich weiterhin auf ein gutes Ende dieser Geschichte. Vielleicht gerade deshalb, weil ich bereits so viel Zeit, Energie und Geduld investiert habe. Und vielleicht wird irgendwann der Tag kommen, an dem ich den Schlüssel in der Hand halte, losfahre und dieses lange Kapitel des Wartens endlich hinter mir lassen kann.
Bis dahin bleibt mir nur, weiterzumachen, geduldig zu bleiben – und darauf zu vertrauen, dass sich manche Reisen eben schon lange vor dem ersten Kilometer als echte Herausforderung erweisen.